Leider liest man zu diesem Thema ja öfters was, aber wenn es einen dann selbst betrifft… Mich hat es jedenfalls kalt erwischt. Vor etwa 10 Tagen checke ich meine Emails und wundere mich über die automatische Email von Mastercard, die mir die Genehmigung eines Umsatzes mitteilte. Solch eine Benachrichtigung hatte ich mir online im Kartenkonto eingerichtet und im Normalfall erhält man diese auch kurz nachdem die Karte tatsächlich eingesetzt wurde. Da ich die Stunden zuvor aber weder in einem Geschäft noch online etwas mit meiner Kreditkarte bezahlt hatte, wurde ich misstrauisch und las mir die Email genau durch. Die Fluglinie Aerlingus hatte mir 2.033,10 EUR “in Rechnung gestellt”! Na toll dachte ich mir noch, aber gut – lieber gleich bei Mastercard anrufen. Damals dachte ich noch, das Ganze würde sich einfach klären lassen.

Tag 1, 8. Okt 14: Da es bereits gegen 23 Uhr war, rief ich also bei der Notruf-Hotline von Mastercard an und wollte den Betrag reklamieren. Der Herr am Telefon meinte nur kurz angebunden, dass er den Betrag selbst nicht stornieren könnte, er würde aber sofort die Karte sperren lassen und bat mich am nächsten Tag bei der “normalen” Hotline anzurufen, damit mir die sagen können, wie ich zu meinem Geld komme. Diese Aussage hätte mich schon stutzig machen sollen, aber da dachte ich mir noch nichts dabei – die Karte war ja gesperrt also sollte ja nichts mehr passieren können.

Tag 2, 9. Okt 14: Gesagt getan, rief ich am nächsten morgen bei der Hotline an. Dort wurde mir nochmals die Sperre meiner Kreditkarte bestätigt und mir versichert, dass ich bald eine neue Karte erhalten würde. Bezüglich des Betrages könne man aber nichts tun, da er noch gar nicht in den Online-Kartenumsätzen eingebucht wäre. Erst wenn er dort aufscheint, soll ich diesen über die Funktion “Reklamation” beanstanden. Ab diesem Zeitpunkt war ich dann doch schon etwas verunsichert, aber noch hatte ich Vertrauen in Mastercard.

Tag 3, 10. Okt 14: Nun war es also soweit, der Betrag von Aerlingus erschien tatsächlich in den Online-Umsätzen und sofort reklamierte ich diesen über das Online-Portal von Mastercard. Dort konnte ich auch die Buchung auswählen und meine Begründung mitangeben. Noch war ich zuversichtlich, dass ich bald wieder eine Rückbuchung des Betrag erhalten würde.

Tag 13, 20. Okt 14: Da ich immer noch nichts von Mastercard gehört hatte, rief ich gleich in der Früh bei der Hotline an. Dort bestätige mir die Mitarbeiterin zwar, dass die Reklamation im Gange sei und bearbeitet wird – mehr aber auch nicht. Auf meine Frage, wie lange das nun in etwa dauern würde, erhielt ich die Aussage: etwa 4 Wochen. Und zu allem Überfluss “darf” ich erstmal die 2.033,10 EUR bezahlen… sprich der Betrag wird mir ganz normal mit der Monatsrechnung abgebucht… und erst wenn die Bearbeitung zu meinen Gunsten ausgeht, erhalte ich eine Rückbuchung. Die Dame hat sich außerdem schön herausgeredet, dass sie selbst ja nichts dafür können, sondern immer abhängig sind, wie schnell der Händler auf so eine Reklamation reagiert und die notwendigen Buchungsdaten, etc. herausgibt.

Puh, also das hat mich ganz schön umgehauen. Immerhin sprechen wir hier von einem sehr hohen Betrag, den ich erstmal übers Sparbuch vorfinanzieren muss. Bisher war ich so naiv und dachte immer, wenn man nur rechtzeitig feststellt, dass ein Missbrauch der eigenen Kreditkarte vorliegt und diesen meldet, man keine großen Probleme bekommt. Nun sieht es so aus, als ob ich in Ruhe abwarten müsste, was bei der Bearbeitung rauskommt und kann nur hoffen, dass ich dann mein Geld wieder zurück bekomme.

Damit möchte ich mich aber nicht zufrieden geben. Deshalb habe ich beschlossen, das Ganze auch bei der Polizei zur Anzeige zu bringen. Also habe ich kurzerhand bei der nächsten Dienststelle angerufen und nachgefragt, wie so etwas gehandhabt wird. Heute Nachmittag werde ich also mit meinen Unterlagen (Ausweis, Kopie Abrechnung Kreditkarte) zur Polizei gehen und eine Anzeige gegen Unbekannt aufgeben und vielleicht kann ich über Aerlingus herausfinden, auf wen das Ticket ausgestellt wurde…

Nachtrag zu Aerlingus: Die deutsche Hotline konnte mir schon mal gar nicht weiterhelfen, da ich ja keine Buchungsnummer habe und verwies mich auf die Zentrale in Dublin.

Nachtrag zur Anzeige: Ich bin also heute zur der für mein Gebiet zuständigen Polizeidienststelle gegangen und habe dort eine Anzeige (vorerst gegen Unbekannt) aufgegeben. Ich bin ja wirklich sehr gespannt, was die Kriminalpolizei zu meinem Fall herausfindet und ob sie den Täter ausfindig machen kann.

Tag 14, 21. Okt 14: Ich habe Post von Lufthansa Miles & More Credit Card erhalten. Darin teilen sie mir mit, dass sie meine “Anfrage” erhalten und bei Aerlingus den Beleg dazu angefordert haben, dies aber einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Außerdem weisen sie mich darauf hin, dass Aerlingus gar nicht verpflichtet ist eine Belegkopie an sie zu senden. Der ganze Brief klingt eher danach, als wüsste ich nicht was das für eine Buchung sein soll und hätte deshalb um eine Belegkopie gebeten. Mit keinem Wort wird im Grunde erwähnt, dass ich hier einen Missbrauch gemeldet habe und natürlich entschuldigt sich auch keiner dafür, dass ich erstmal den Betrag selbst zahlen darf, bevor das Ganze überhaupt geklärt ist.

Da mich der Brief wirklich aufgeregt hat, entschließe ich mich doch bei Aerlingus in Dublin anzurufen. Gesagt getan, kaum erwähne ich am Telefon, dass es sich um eine mir nicht bekannte Abbuchung handelt, werde ich angewiesen an eine bestimmte Email-Adresse meine Daten (Name, Kreditkartennummer, Betrag und Datum der Abbuchung) zu senden. Der Mann am Telefon weist mich mehrfach darauf hin, dass ich bitte nur ja nicht das Ablaufdatum und/oder den CVC im Email beifüge. Für alle, die es vielleicht selber mal betrifft, die Email-Adresse lautet creditcard.queries@aerlingus.com.

Also habe ich alle geforderten Daten an diese Email-Adresse gesendet und warte nun auf Rückmeldung.

Tag 15, 22. Okt 14: Ich erhalte von Aerlingus eine Bestätigung, dass sie meine Anfrage erhalten und in ihr System eingepflegt haben. Laut dem Email sollte ich bald die Belegkopie erhalten (“You should be receiving your invoice shortly”). Nun bin ich schon sehr gespannt was für Details ich auf der Rechnung finde. Theoretisch sollte darauf die Flugstrecke und der Name des Passagiers verzeichnet sein. Sollte dies so sein, werde ich alle Informationen sowohl der Polizei als auch meiner Kreditkartenfirma weiterleiten. Vielleicht kommt es dann gar nicht mehr dazu, dass mir Anfang kommenden Monat der Betrag überhaupt abgebucht wird.

Tag 17, 24. Oktober 14: Noch immer keine Rechnung von Aerlingus. Also unter “shortly” verstehe ich persönlich ja schon etwas anderes…. Meine Hoffnung schwindet langsam, dass sich das Ganze bis Monatsende gelöst hat und ich vorerst auf den 2.033,10 EUR sitzen bleiben werde.

Mittlerweile ist auch mein Vertrauen in meine Kreditkartenfirma getrübt. Vor über zwei Wochen habe ich den Missbrauch gemeldet und bisher scheint es so, als ob sich da noch nichts getan hat. Wie schwierig ist es bitte, sich von Aerlingus die notwendigen Details geben zu lassen? Ich kann nur sagen, dass ich derzeit ziemlich enttäuscht bin, wie diese Geschichte gehandhabt wird.

Tag 21, 28. Oktober 14: Nachdem ich immer noch keine Rechnung von Aer Lingus erhalten hatte, schrieb ich erneut eine Email an Aer Lingus und erkläre nochmals meinen Sachverhalt. Und siehe da, am Nachmittag erhielt ich tatsächlich die Kopie der Rechnung. Jemand hatte für vier Personen Flüge von London nach Belfast und wieder retour gebucht. Leider schien mein Name als einer der angeblichen Passagiere auf – wenn auch mit falschem Geschlecht.

Ich rief also bei der Kreditkartenhotline an und erklärte, dass ich nun den Beleg – den die selbst angeblich noch immer noch haben – selbst angefragt und erhalten hätte und wohin ich diesen mailen soll. Ich bekam also die Email-Adresse und leitete die Mail mit der Rechnung an die Miles and More Kreditkarten Abteilung weiter. Ich habe weiters angemerkt, dass ich weder diese Flüge gebucht hätte, noch diese autorisiert hätte. Außerdem teilte ich ihnen mit, dass ich am 20. Oktober eine Strafanzeige bei der Polizei erstattet hatte.

Heute ist also bereits Tag 21 – und ich bin immer mehr enttäuscht wie Lufthansa Miles & More mit ihren Kreditkarten-Kunden bei Reklamationen umgeht 🙁

Tag 48, 24. November 14: Da die Betrüger so intelligent waren und meinen Namen auf einer der Tickets gesetzt haben, beschuldigt mich nun der Lufthansa M&M Credit Card Service, dass ich ja selber mitgeflogen und daher alles rechtens wäre. Daraufhin schreibe ich eine lange Stellungnahme, in der ich bestätige, niemanden beauftragt oder berechtigt zu haben, diese Flüge zu buchen und ich die Personen, auf die die Tickets ausgestellt sind, nicht kenne. Außerdem teile ich der Lufthansa mit, dass ich Strafanzeige bei der Polizei gestellt habe. Am Schluss bitte ich höflich darum, mir endlich die 2.033,10 EUR wieder zurück zu überweisen.

Mal sehen, ob das nun Wirkung zeigt – ich bin langsam wirklich verzweifelt.

Tag 51, 27. November 14: Ich kann es gar nicht glauben, aber heute habe ich tatsächlich endlich die Gutschrift von Lufthansa erhalten!!! Stolze 51 Tage hat es also gedauert, bis das überstanden war. Da ist mein Glaube in die Kreditkartenfirma wirklich sehr getrübt.

Tag 155, 11. März 15: Heute bekam ich Post von der Staatsanwaltschaft München: Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt, da die Täter nicht ermittelt werden konnten. Ach ja, das kann ich ja fast nicht glauben. Wahrscheinlich geht es hier für die um zuwenig Geld, um sich die “Finger schmutzig zu machen”…