Selbst eine Auswanderung innerhalb der EU – in unserem Fall ins Nachbarland Deutschland – bringt so einige Behördengänge mit sich. Hier eine Zusammenfassung:

Teil 1:

Brav wie wir sind, sind wir gleich am ersten Dienstag in Köln zum nahegelegenen Bezirksrathaus, um uns offiziell hier in Köln anzumelden. Dazu kriegt man an der Info erst mal eine Nummer und darf im Wartesaal Platz nehmen. Auf einem Bildschirm werden dann immer die laufenden Nummern angezeigt, die gerade dran sind und an welchen Tisch man dazu gehen soll. Während also Tobias draußen noch einen Parkplatz suchte, kam ich relativ schnell dran und kaum hatte ich 2x geblinzelt waren wir auch schon mit unserer neuen Adresse angemeldet. “Na, das ging ja einfach…” dachte ich mir damals noch, da wußte ich aber auch nicht, was uns noch bevor stand.

Teil 2:

Als wir am darauf folgenden Tag bemerkten, dass wir für unseren Arbeitgeber eine sogenannte Lohnsteuerkarte beantragen lassen müssen, telefonierte Tobias erst einmal herum. Er wollte herausfinden, wo wir diese denn überhaupt beantragen lassen können. Ergebnis: beim Meldeamt. Die gute Dame, die uns den Wohnsitz eingetragen hatte, hätte das eigentlich gleich mitmachen sollen. Na gut, also wieder zum Bezirksrathaus, dort eine Nummer ziehen und warten. Zuerst ein kurzer Schock auf die Nachricht des uns zugeteilten Beamten, dass wir vorher eine Steuernummer bräuchten, die nur in Berlin vergeben wird und auf die derzeit etwa 6 Wochen Wartezeit wäre (wir müssen die Lohnsteuerkarte spätestens zum Arbeitsbeginn abgeben). Dann die Erleichterung, als der Beamte verwundert feststellte, dass unsere Steuernummern bereits im System eingetragen waren (keine Ahnung warum, aber da fragten wir nicht lange). Das Ausstellen der Lohnsteuerkarte ging dann ebenfalls wieder relativ problemlos. Das Ganze ist einfach ein gelber Zettel, auf dem der Name, Adresse, Geburtsdatum und die Lohnsteuerklasse (je nach Steuerklasse zahlt man verschieden hohe Abgaben) stehen. Das kriegt dann bei Arbeitsbeginn der Arbeitgeber und trägt dort irgendwelche Sachen fürs Finanzamt ein.

Teil 3:

Nachdem wir jetzt also 2x beim Bezirksrathaus waren, mussten wir leider feststellen, dass unser Arbeitsgeber auch noch eine sogenannte “Freizügigkeitsbescheinigung” von uns verlangte. Ja, die Bezeichnung klingt wirklich etwas seltsam (meine Schwester fragte scherzhaft, ob wir dann damit nackt durch Köln laufen dürften), aber im Grunde ist das die Bestätigung dafür, dass wir als EU-Bürger uns in Deutschland niederlassen und arbeiten dürfen. Nach erneuter Herumtelefoniererei und der Auskunft, dass wir dieses Dokument ebenfalls beim Bezirksrathaus kriegen würden, suchten wir also die benötigten Unterlagen laut Auskunft zusammen (1 Passfoto, Meldezettel, Reisepass) und begaben uns mal wieder ins langsam vertraute Rathaus. Dort mussten wir diesmal aber nicht zur Meldehalle, sondern zur Ausländerbehörde des Rathauses.

Wir hatten beim Vorbeigehen zur Meldehalle immer die langen Warteschlangen gesehen und jetzt mussten wir uns also dort auch anstellen. Nach dem Anfangsbuchstaben seines Nachnamens muss man sich vor das jeweils zuständige Zimmer anstellen. Ich hatte bei K mit 3 Leuten vor mir noch Glück, Tobias verzweifelte bei der langen Warteschlange für die Namen S-Z. Als ich dann um genau 5 vor 12 an der Reihe war (die Behörde schließt natürlich um Punkt 12 Uhr), war die Dame dort zuerst etwas verwundert über mein Anliegen:

Ich: “Guten Tag, ich bin hier, um meinen Freizügigkeitsbescheid beantragen zu lassen”.
Sie: “Ähm, ja haben Sie denn den Antrag dazu schon?”
Ich: “Hm, nein, woher kriege ich denn diesen?”
Sie: “Na, den haben Sie doch sicher bei der Anmeldung in der Meldehalle bekommen.”
Ich musste erst mal meinen Ärger über die Dame vom ersten Behördentag runterschlucken und meinte dann: “Nein, den habe ich leider nicht bekommen. Wären Sie so nett und geben mir diesen bitte?”
Sie: “Ähm, na gut. Sie sind also schon gemeldet? Haben Sie denn schon eine Arbeitsstelle? Sie müssen aber, bevor Sie den Bescheid kriegen können, auch noch nachweisen, dass Sie sich bei uns in Deutschland krankenversichert haben…”
Die gute Dame konnte dann gar nicht glauben, dass ich sowohl schon einen Arbeitsvertrag als auch die Krankenversicherung vorlegen konnte. Das kam ihr wohl nicht oft unter. Leider bekam ich nur den Antrag in die Hand gedrückt – mit dem Hinweis, ich solle doch am Montag wieder kommen, denn es sei ja schon Mittag. Gott sei Dank hatte ich mir gleich für Tobias auch einen Antrag mitgeben lassen, denn der wäre an diesem Tag gar nicht mehr drangekommen. So mussten wir also unverichteter Dinge wieder nach Hause fahren und schimpften über die unfähige Dame vom ersten Tag im Rathaus. Denn so gesehen, hätte die uns ja einiges ersparen können, indem sie das alles gleich mitgemacht hätte (was sie laut Auskunft der anderen Kollegen ja hätte tun sollen).

So füllten wir also den Antrag aus, kopierten die geforderten Unterlagen (Reisepass, Arbeitsvertrages und Krankenversicherungsbestätigung) und legten noch ein Passfoto bei. Damit wollten wir also am Montag wieder hin, nur um festzustellen, dass an dem Tag nur 2 der 5 Zimmer der Ausländerbehörde besetzt waren. Dementsprechend auch die Warteschlangen vor diesen beiden Zimmern. Um 11:30 Uhr haben wir dann das Handtuch geschmissen, nachdem noch so viele Leute vor uns waren.

Das hieß für uns also am Dienstag (heute) gleich bald in der Früh nochmal hin. Da es dort ja keine eigene Reihe für EU-Bürger gab, standen wir inmitten von Afrikanern, Türken, Asiaten und Russen, die uns ganz komisch ansahen, weil sie nicht verstanden, warum wir ebenfalls dort anstanden (die meinten wohl alle, wir wären Deutsche). Kaum zu glauben, aber wir kamen dann um 11 Uhr tatsächlich an die Reihe (diesmal war das selbe Zimmer für sowohl G-K als auch S-Z zuständig) und so hielten wir nach etwa 15 min unsere Bescheide in den Händen. Der heute zuständige Herr war übrigens sehr überrascht, dass wir alle notwendigen Unterlagen dabei hatten. 😉

Wie ihr sehen könnt, ist also auch für EU-Bürger der Aufwand mit den Behörden nicht zu unterschätzen, die so eine Auswanderung ins Nachbarland mit sich bringen. Ich hoffe aber, dass wir mit dem heutigen Gang (Nr. 5) alles nötige erledigt haben und nicht mehr länger zum Bezirksrathaus fahren müssen. Und ganz am Rande noch für Eingeweihte: mit einem Passierschein A38 wäre wohl alles schneller gegangen. 😉